KI ist im Schulalltag angekommen – bei Jugendlichen ebenso wie bei vielen Lehrkräften. Doch wie können Lehrkräfte KI sinnvoll einsetzen, einen reflektierten Umgang vermitteln und klare Regeln schaffen? Aktuelle Zahlen, Diskussionsimpulse und praktische Tools für den Unterricht.
Hilfe bei der Unterrichtsvorbereitung: Lehrkräfte setzen auf KI
In der Unterrichtsvorbereitung werden KI-Tools für Lehrkräfte zunehmend alltäglich. Das Deutsche Schulbarometer 2026 zeigt: Nur noch 10 Prozent der befragten Lehrkräfte haben innerhalb der vergangenen 12 Monate gar keine KI für berufliche Zwecke verwendet. 2025 waren es noch über 30 Prozent.
Die Lehrkräfte, die KI einsetzen, verwenden sie insbesondere als Unterstützung bei der Unterrichtsplanung und zum Erstellen von Aufgaben. Die Hälfte der Befragten fühlt sich dennoch eher oder sehr unsicher damit. Doch auch hier ist ein Wandel festzustellen: 2025 waren es noch fast zwei Drittel (62 Prozent). Lehrkräfte fühlen sich also zunehmend vertraut im Umgang mit KI-Tools. Und die Jugendlichen?
KI in der Schule: Für Jugendliche längst Normalität
Künstliche Intelligenz schreibt Gedichtanalysen, erklärt Matheaufgaben oder fasst lange Aufgaben kompakt zusammen. Laut JIM-Studie 2025 nutzen 91 Prozent der 12- bis 19-Jährigen mindestens ein KI-Tool. 74 Prozent der Befragten verwenden KI für Hausaufgaben oder zum Lernen, 70 Prozent zur Informationssuche. Mehr als die Hälfte setzt KI auch im Unterricht ein.
Infobox an der Seite: Die JIM-Studie 2025 zeigt, dass ChatGPT mit Abstand das am meisten genutzte KI-Tool bei Jugendlichen ist. 84 Prozent haben ChatGPT schon einmal verwendet. Doch auch Gemini und Meta AI werden von rund einem Drittel der 12- bis 19-Jährigen genutzt.
Laut Schulbarometer 2026 sehen Lehrkräfte in der individualisierten Lernunterstützung eine große Chance von KI. Gleichzeitig bemerken sie auch mögliche Risiken: Sie befürchten negative Auswirkungen auf das kritische Denken und soziale wie kommunikative Fähigkeiten.
Bildungsauftrag: Von der KI-Nutzung zur KI-Kompetenz
Die Frage „Ist KI für Hausaufgaben erlaubt?“ greift heute häufig zu kurz. Schulen stehen vielmehr vor der Aufgabe, gemeinsam zu klären, was einen kompetenten Umgang mit KI eigentlich ausmacht – und wie sich dieser fördern lässt, ohne andere Kompetenzen und Wissensvermittlung zu vernachlässigen.
Genau hier setzt die Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ an. In ihren 2026 veröffentlichten Handlungsempfehlungen fordert sie, Algorithmen- und KI-Kompetenz – sogenannte AI Literacy – stärker in der Schule zu verankern. Die Empfehlungen gehen dabei über das reine Bedienen von Chatbots hinaus:
KI verstehen: Schon Kinder im Grundschulalter sollen ein altersgerechtes Grundverständnis für die Möglichkeiten, Gefahren und Grenzen von KI entwickeln. Die Kommission schlägt ein „KI-Seepferdchen“ als Nachweis vor.
AI Literacy vermitteln: Jugendliche sollen Algorithmen und KI kritisch beurteilen und verantwortungsvoll einsetzen können. Medienpädagogische und informatische Inhalte sollen in den Lehrplänen verankert werden, zum Beispiel im Sachunterricht von Grundschulen.
Selbstregulation stärken: Um exzessiver Mediennutzung – auch von KI – vorzubeugen bedarf es der Stärkung selbstregulatorischer Fähigkeiten – insbesondere in den ersten zehn Lebensjahren. Diese Kompetenz soll ebenfalls im Lehrplan verankert werden.
Lehr- und Fachkräfte qualifizieren: Medienpädagogik soll verpflichtender Bestandteil der Ausbildung sein. KI-Kompetenz soll durch Fortbildungen auch aufseiten der pädagogischen Fachkräfte gestärkt werden.
Von Jugendlichen lernen: Für die Sekundarstufen empfiehlt die Kommission verstärkt Peer-to-Peer-Angebote, bei denen ältere Jugendliche jüngere beim kompetenten Medienumgang – auch mit KI – unterstützen.
Handynutzung begrenzen: Die private Nutzung digitaler Endgeräte soll im Unterricht eingeschränkt werden, um Ablenkungspotenzial zu verringern. Die Kommission schlägt ein gesetzlich geregeltes Verbot bis einschließlich der siebten Klasse vor.
Lernen über KI: Fragen, über die es sich zu diskutieren lohnt
Auch die Kultusministerkonferenz empfiehlt einen kritisch-konstruktiven Umgang mit KI und betont neben dem „Lernen mit KI“ ausdrücklich auch das „Lernen über KI“. Dazu gehören Kenntnisse über Funktionsweise, Grenzen sowie ethische und rechtliche Fragen.
Es lohnt sich daher, KI zum Gegenstand des Unterrichts zu machen. Das Thema muss nicht gleich eine komplette Unterrichtsreihe füllen. Schon einzelne Fragen können kritisches Denken und Medienkompetenz fördern. Diese Impulse eignen sich für Diskussionen mit Mehrwert:
Gerade der Punkt „Wahrheit“ ist wichtig: Generative KI erzeugt Antworten auf Grundlage statistischer Muster. Dabei können auch falsche Informationen und erfundene Quellen entstehen. Quellenkritik bleibt deshalb unverzichtbar.
Auch der Punkt der Sinnhaftigkeit soll hervorgehoben werden: Die niedrigschwellige Verfügbarkeit von Antworten auf Fragen aus allen Lebensbereichen und die dialogische Gestaltung von KI-Anwendungen kann Jugendliche an eine KI binden. Doch nicht alle Fragen bedürfen einer KI – im Gegenteil. Es gibt Themen, die bei ChatGPT nichts verloren haben. Genau diese kritische und selbstreflektierte Mediennutzung kann durch gezielte Diskussionen im Unterricht gefördert werden.
Lernen mit KI: Praktische Tools für den Schulalltag
Wenn KI verantwortungsbewusst eingesetzt wird, können die Anwendungen eine echte Bereicherung sein. Neben ChatGPT als vermeintlich allwissenden Freund und Helfer gibt es noch viele weitere KI-Tools, die Lehrkräfte kennen sollten – darunter diese Anwendungen für Recherche, Bildgenerierung, Unterstützung bei der Präsentationsvorbereitung oder Aufgabenerstellung und Übersetzung von Texten:
fobizz: KI-Toolbox für Chats, Bilder und Unterrichtsmaterialien. Schülerinnen und Schüler können ohne eigene Registrierung per Code arbeiten. Laut Herstellerangaben werden personenbezogene Daten DSGVO-konform verarbeitet.
schulKI: Speziell für Schulen entwickelte KI-Plattform für Chats, Aufgabenerstellung und automatischer Feedback-Funktion. Laut Herstellerangaben werden personenbezogene Daten DSGVO-konform verarbeitet.
to teach: Erstellt Arbeitsblätter, Übungen und Unterrichtsmaterialien. Schülerinnen und Schüler benötigen keinen eigenen Account, um die Übungen zu bearbeiten. Laut Herstellerangaben werden personenbezogene Daten registrierter Lehrkräfte DSGVO-konform verarbeitet.
Perplexity: KI-Suchmaschine mit Quellenangaben, gut für Recherche und Quellenkritik. KI-Training mit Nutzerdaten lässt sich deaktivieren. Für den Schuleinsatz sollten Datenschutzerklärung und Accountmodell unbedingt vorher geprüft werden.
Canva Education: KI-gestützte Gestaltung von Präsentationen, Grafiken und Bildern. Inhalte von Schülerinnen und Schülern in Canva Education werden laut Anbieter nicht zum KI-Training genutzt. Für den Schuleinsatz sollte die Datenschutzerklärung unbedingt vorher geprüft werden.
DeepL: Unterstützt bei Formulierungen und sprachlicher Überarbeitung, etwa im Fremdsprachenunterricht. Laut Herstellerangaben werden personenbezogene Daten DSGVO-konform verarbeitet.
Auch bei DSGVO-konformen Angeboten gilt: Lehrkräfte sollten nur von Schule oder Schulträger freigegebene Dienste nutzen und keine personenbezogenen, sensiblen oder bewertungsrelevanten Daten von Schülerinnen und Schülern ungeprüft in KI-Systeme eingeben. Die konkrete Verarbeitung persönlicher Daten muss auch bei DSGVO-konformen Anwendungen seitens der Schule oder der Schulträger geprüft werden.
Umgang mit KI-Tools im Unterricht: 5 Regeln für die ganze Klasse
Wenn KI für die Schule genutzt wird: Wie? Um Medienkompetenz zu fördern und den bewussten Umgang mit KI-Tools zu stärken, empfehlen sich gemeinsam mit der Klasse ausgehandelte Regeln. Diese könnten beispielsweise so aussehen:
Wir geben keine persönlichen oder vertraulichen Daten in die KI ein.
Wir übernehmen KI-Antworten nicht ungeprüft, sondern prüfen wichtige Fakten und Quellen selbst.
Wir kennzeichnen transparent, wann und wie KI an einer Aufgabe mitgearbeitet hat.
Wir können erklären, was wir abgegeben haben und übernehmen Verantwortung für die Bearbeitung einer Aufgabe.
Wir sprechen darüber, wenn uns KI-Inhalte merkwürdig, verletzend oder problematisch erscheinen.
Fazit: KI als Kompetenz verstehen
Kritische Auseinandersetzungen und gemeinsame Regeln schaffen Orientierung – und lassen zugleich Raum, KI im beaufsichtigten Rahmen kennenzulernen. Denn Medienkompetenz bedeutet auch bei künstlicher Intelligenz nicht, jedes neue Tool von Anfang an wie ein Profi zu beherrschen. Vielmehr geht es darum, die Möglichkeiten einschätzen, Ergebnisse hinterfragen und selbstbestimmt entscheiden zu können.