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How-to Medienkompetenz-Projekt: Jetzt planen, nach den Ferien umsetzen

Fake News, Cybermobbing oder Content Creator auf TikTok: Medienkompetenz-Projekte sind abwechslungsreich, alltagsnah und aktivierend. Aber wie geht man die Planung am besten an? Hier erhalten Sie hilfreiche Tipps und einen Mini-Fahrplan für die Umsetzung.

Medienkompetenz-Projekt planen: Der richtige Zeitpunkt ist jetzt!

Aktuelle Studien verdeutlichen, wie wichtig es ist, Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen zu fördern: Laut JIM-Studie 2025 begegnen Jugendliche im Netz regelmäßig problematischen Inhalten, darunter Fake News oder beleidigende Kommentare. Eine Sonderauswertung der PISA-Studie 2022 zeigt außerdem, dass sich 47 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland nicht zutrauen, die Qualität von Informationen aus dem Netz zu beurteilen. Auch ICILS 2023 verweist auf Handlungsbedarf bei computer- und informationsbezogenen Kompetenzen. 

Höchste Zeit, Medienkompetenz und digitale Medien im Unterricht noch mehr zu berücksichtigen, als es die Lehrpläne sowieso schon vorsehen. Ein Medienkompetenz-Projekt zu Beginn des neuen Schuljahres eignet sich dafür besonders gut – als motivierender Auftakt nach den Ferien, Abwechslung im Stundenplan und Anknüpfungspunkt für den Fachunterricht.

Vor den Sommerferien ist genau der richtige Zeitpunkt, um Medienkompetenz-Projekte für das neue Schuljahr anzugehen. Termine lassen sich unkompliziert abstimmen, Kolleginnen und Kollegen können frühzeitig eingebunden und Materialien ohne Zeitdruck vorbereitet werden.

Nach den Ferien kann die Klasse dann direkt mit einem Thema starten, das sie in ihrem Alltag abholt und nachhaltig fürs neue Schuljahr motiviert – ein Win-Win für Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler! Außerdem leisten Sie damit wertvolle Präventionsarbeit, um Gefahren wie Mediensucht oder Cybermobbing vorzubeugen.

Besser früh als zu spät: Warum Prävention nicht erst bei Problemen beginnen sollte

Projekte zur Förderung von Medienkompetenz sind nicht nur dann sinnvoll, wenn es bereits Konflikte im Klassenchat, Cybermobbing-Vorfälle oder auffälliges Mediennutzungsverhalten gab.

Gerade präventive Projekte schaffen einen geschützten Rahmen, in dem Schülerinnen und Schüler über digitale Gewohnheiten, Gruppendruck, Stress durch Social Media oder Gaming sprechen können – ohne dass einzelne Personen im Mittelpunkt stehen.

Das entlastet auch Sie als Lehrkraft: Gemeinsam mit Ihrer Klasse können Sie Regeln, Hilfswege und Strategien entwickeln, die in Konfliktsituationen als Grundlage und Handlungsorientierung dienen. Prävention bedeutet dabei nicht, Risiken zu dramatisieren. Ziel ist, Orientierung zu geben, bevor sich problematische Muster verfestigen. 

Icon Information Icon Information

Wenn’s doch mal problematisch wird beraten wir Sie gerne kostenlos per Mail. Egal, ob Verdachte auf Mediensucht, Cybermobbing oder sonstige Auffälligkeiten hinsichtlich der Mediennutzung Ihrer Schülerinnen und Schüler: Wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen direkt an unsere Beratungsstelle.

Projekt-Planung in 5 Schritten: Praxis-Guide für Lehrkräfte

Damit ein Projekt nachhaltig wirkt, braucht es mehr als ein interessantes Thema – entscheidend ist die gute Planung mit ausreichend Vorlaufzeit. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung unterstützt Sie dabei. 

 

In aller Kürze: 5 Schritte im Überblick

  1. Die Ausgangslage bestimmen: Was interessiert die Schülerinnen und Schüler?

  2. Das Ziel festlegen – je konkreter, desto besser

  3. Das Thema finden

  4. Die Methode wählen 

  5. Den zeitlichen Rahmen ausarbeiten

Schritt 1: Die Ausgangslage bestimmen

Streit im Klassenchat, das neueste Game oder eine virale #challenge auf TikTok: Welche Themen beschäftigen die Klasse aktuell? Gibt es konkrete Konflikte oder Unsicherheiten?

Ein kurzes Stimmungsbild hilft bei der Planung eines Medienkompetenz-Projekts, das die Jugendlichen auch wirklich interessiert. Kleine Umfragen, anonyme Fragenboxen oder Unterrichtsgespräche liefern dafür oft wertvolle Hinweise.

Schritt 2: Das Ziel festlegen

Das Wichtigste zuerst: Was ist das Ziel des Medienkompetenz-Projekts? Welche Kompetenzen sollen Schülerinnen und Schüler erwerben? Und: Welche aktuellen Herausforderungen aus der Lebenswelt der Lernenden sollen aufgegriffen werden?

Ein Projekt zum „Fake-News-Erkennen“ verfolgt beispielsweise andere Ziele als ein Projekt zu Cybermobbing oder digitalem Datenschutz. Hilfreich ist die Orientierung an Kompetenzbereichen wie:

  • Informations- und Recherchekompetenz sowie Prompting

  • Kritisches Bewerten digitaler Inhalte (Stichwort „Fake News“)

  • Kommunikations- und Sozialkompetenz im Netz

  • Datenschutz und digitale Selbstbestimmung

  • Kreative Medienproduktion

  • Reflexion ethischer Fragen digitaler Technologien 

Je klarer die Lernziele formuliert sind, desto leichter lassen sich passende Methoden und Materialien entwickeln. Statt allgemein „Medienkompetenz in der Schule fördern“ empfiehlt es sich, Ziele beobachtbar zu formulieren, etwa: „Die Schülerinnen und Schüler können Online-Quellen hinsichtlich Glaubwürdigkeit bewerten“ oder „Die Lernenden entwickeln Regeln für respektvolle digitale Kommunikation“.

Schritt 3: Das Thema finden 

Jugendliche Lebenswelten treffen auf den schulischen Lehrplan: Medienkompetenz umfasst zahlreiche Themen, die sich altersgerecht an die jeweilige Klassenstufe anpassen lassen. Grob können Sie sich in der Planung an diesen zentralen Themenbereichen und Projektideen orientieren – es gibt natürlich noch viele weitere: 

  • Desinformation und Fake News

    Schülerinnen und Schüler lernen, Quellen kritisch zu prüfen, Bilder zu verifizieren und Manipulationsstrategien zu erkennen. Mögliche Projektformate sind Rechercheaufgabe, Referate oder Faktenchecks.
  • Datenschutz und Privatsphäre im Netz

    Was bedeutet Datenschutz? Welche Daten geben Jugendliche online preis? Projektideen reichen von Datenschutz-Checks eigener Apps über die Auseinandersetzung mit der Datenschutz-Grundverordnung bis zur Erstellung persönlicher Sicherheitsleitfäden.
  • Social Media und psychische Gesundheit

    Likes, Selbstdarstellung und permanenter Vergleich beeinflussen das Wohlbefinden vieler Jugendlicher. Ein Projekt kann Diskussionen über Mediennutzung, Selbstbild und digitale Resilienz anstoßen.
  • Cybermobbing und digitale Kommunikation

    Rollenspiele, Fallanalysen oder Peer-Education-Ansätze helfen dabei, Empathie zu fördern und konkrete Handlungsstrategien für einen respektvollen Umgang im Netz zu entwickeln.
  • Künstliche Intelligenz im Schulalltag

    Schülerinnen und Schüler können Chancen und Risiken diskutieren, Prompten zielorientiert trainieren, KI-generierte Inhalte analysieren oder ethische Fragestellungen bearbeiten.
  • Reflexion des eigenen Medienkonsums

    Wofür werden Smartphones genutzt? Wie viel Zeit wird am Smartphone verbracht? Welche Gefahren bringen Anwendungen wie Social-Media-Apps, Games, Streaming-Plattformen etc. mit sich? Hier lassen sich interaktive Selbsttests als Einstieg in die Selbstreflexion integrieren. In dem Zusammenhang kann auch über die Gefahr der Mediensucht und geeignete Präventions- und Hilfsmaßnahmen gesprochen werden.

Ganz wichtig: Lehrkräfte müssen nicht jede Plattform, jedes Spiel und jeden Trend kennen, um Medienkompetenz zu unterrichten und zu fördern. Entscheidend ist, einen pädagogischen Rahmen zu schaffen, in dem Schülerinnen und Schüler ihr Medienverhalten reflektieren, Fragen stellen und gemeinsam Handlungsstrategien entwickeln.

Schritt 4: Die Methode wählen

Medienkompetenz-Projekte profitieren von aktivierenden Methoden. Die Wahl der Methode hängt insbesondere vom Alter Ihrer Schülerinnen und Schüler ab. Grundsätzlich sind die folgenden Methoden besonders geeignet für die Förderung von Medienkompetenz in Schulen:

  • Eigenständige Projektarbeit in Gruppen: fördert gleichzeitig das selbstorganisierte Lernen und die Teamarbeit

  • Interaktive Reflexionsarbeit anhand eines Quiz oder Selbsttests

  • Kontroverse Diskussionen im Plenum: jede Meinung zählt, kritisches Denken, Kommunikation und Interaktion dienen als Schlüssel für die Problemlösung

  • Medienanalysen: eine kritische Auseinandersetzung mit echten Beispielen für Fake News, Social-Media-Postings und KI-generierte Texten 

  • Kreative Produktionsformate: egal, ob Online-Spiel, Podcast, Schulblog, Klassen-Comic, TikTok-Posting, digitale Fotoausstellung oder interaktives Referat – aktive Medienproduktionen stärken kreatives Denken und sind echte Motivations-Booster

Prüfen Sie in diesem Schritt auch die Ausstattung Ihrer Schule bzw. Klasse. Können Sie mit Smartphones, Tablets, PCs arbeiten? Welche Programme und Kenntnisse werden für Ihr Projekt vorausgesetzt? Fallen Kosten für die methodische Umsetzung an?

Schritt 5: Den zeitlichen Rahmen ausarbeiten

In diesem Schritt geht es darum, die Gedanken zum Thema und zur Methode in der detaillierten Unterrichtsplanung auszuformulieren und geeignete Materialien zu sammeln. Nicht jedes Projekt muss dabei eine ganze Projektwoche umfassen. Die Förderung von Medienkompetenz lässt sich flexibel in den Schulalltag und Stundenplan integrieren, zum Beispiel in …

  • einzelnen Unterrichtseinheiten zu konkreten Themen wie Fake News, Schönheitsideale auf Social Media, Hate Speech etc.

  • (fächerübergreifenden) Kurzprojekten wie die Produktion eines Schul-Podcasts zum Thema KI im Unterricht

  • Projekttagen / -wochen zu großen Themen wie Cybermobbing und Mediensucht

  • Wahlpflichtangeboten oder AGs wie eine Datenschutz-AG, ein „How to Kurzfilm drehen“-Angebot oder Peer-to-Peer-Projekte

Wichtig ist eine realistische Planung im Verhältnis zu Zeit, Ausstattung und Lerngruppe. Sparen Sie sich außerdem Zeit in der Vorbereitung von Medienkompetenz-Material, indem Sie auf kostenlose Arbeitsblätter, Spiele, Tools und weitere Angebote externer Partner zurückgreifen.

Medienzentren, Bibliotheken, Jugendeinrichtungen oder Präventionsstellen bieten häufig Workshops und Unterrichtsmaterialien an. Nutzen Sie zum Beispiel die Info-Materialien des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit oder die Tools und Tipps auf unserer Webseite.

Auf die Klasse kommt’s an: Projekte altersgerecht planen

Unterrichten Sie in Klasse 5, Klasse 8 oder Klasse 10? Nicht jedes Thema und jede Methode passen zu jeder Altersgruppe. Je jünger die Schülerinnen und Schüler sind, desto konkreter, kompakter und alltagsnäher sollte das Projekt aufgebaut sein. Ältere Jugendliche profitieren stärker von Diskussionen, Selbstreflexion, Peer-Ansätzen und eigenständiger Projektarbeit – aber als Lehrkraft kennen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler natürlich selbst am besten.

Unterstufe: klare Regeln und konkrete Situationen

In Grundschulklassen oder Unterstufen stehen häufig erste eigene Geräte, Klassenchats, Online-Spiele oder Streaming-Plattformen im Mittelpunkt. Methodisch geeignet sind zum Beispiel Rollenspiele, die Arbeit mit fiktiven Chatverläufen oder das Aufstellen gemeinsamer Klassenregeln.

Am Ende kann eine einfache Medienvereinbarung entstehen: Welche Nachrichten gehören in den Klassenchat? Wann holen wir Hilfe? Welche Fotos dürfen nicht geteilt werden?

Mittelstufe: Reflexion und Gruppendruck thematisieren

In der Sekundarstufe I gewinnen Messenger-Apps, Social Media und Gaming an Bedeutung. Projekttage können hier stärker auf Reflexion setzen: Wann tut Mediennutzung gut? Wann erzeugt sie Stress? Welche Rolle spielen Likes, Gruppenchats, Streaks oder In-Game-Belohnungen?

Methodisch empfehlen wir die Integration anonymer Umfragen, die Betrachtung von Fallbeispielen, die Erarbeitung von Chancen und Risiken digitaler Medien in Gruppen und die Ausarbeitung gemeinsamer Strategien für digitales Wohlbefinden. Nutzen Sie beispielsweise unseren Selbsttest rund um die Mediennutzung von Jugendlichen als Impuls zur Selbstreflexion.

Oberstufe: Verantwortung und Peer-Projekte stärken

Ältere Jugendliche können stärker als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Medienwelt einbezogen werden. Sie können Faktenchecks durchführen, Podcasts oder Kurzvideos produzieren, einen schulweiten Medienkodex entwickeln oder Workshops für jüngere Klassen vorbereiten.

Für diesen Peer-to-Peer-Ansatz eignen sich auch Programme wie die Net-Piloten, bei denen Jugendliche jüngere Schülerinnen und Schüler zu ausgewogener Mediennutzung beraten.

Von der Theorie in die Praxis: Mini-Fahrplan für die Umsetzung

Jedes Projekt stellt andere Anforderungen. Lehrkräfte kennen ihre Schülerinnen und Schüler sowie die Gegebenheiten der jeweiligen Schule am besten. Manchmal hilft dennoch ein vorgeschlagener Zeitplan zur Orientierung. So könnte die Vorbereitung des Projekts etwa ablaufen:

 

  1. Vor den Sommerferien: Ausgangslage klären: Welche Themen beschäftigen die Klasse? Gibt es Konflikte, Fragen oder Beobachtungen im Kollegium?
  2. Vor den Sommerferien: Thema, Lernziel und Format festlegen: einzelne Unterrichtsstunde, Projekttag, Projektwoche oder längerfristiges Angebot?
  3. Vor den Sommerferien: Zuständigkeiten klären, Kollegium informieren: Wer koordiniert? Welche Fachlehrkräfte oder externen Partner werden eingebunden?
  4. In der Vorbereitungszeit gegen Ende der Sommerferien: Materialien sammeln, Projekt-Ablauf skizzieren, technische Ausstattung prüfen, Räume reservieren
  5. Zum Schulstart: Klasse einstimmen, Projekttag durchführen, Ergebnisse sichern
  6. Nach dem Projekttag: Feedback einholen, Vereinbarungen sichtbar machen, Thema im Klassenrat oder Fachunterricht erneut aufgreifen

Eltern frühzeitig informieren

Medienkompetenz-Projekte wirken nachhaltiger, wenn Eltern wissen, worum es geht. Informieren Sie die Eltern Ihrer Schülerinnen und Schüler deshalb möglichst vor dem Projekttag oder kurz danach auf einem Elternabend. Dabei muss nicht jedes Detail Ihres Projekts vorgestellt werden. Wichtig ist, dass Eltern Ziel, Thema und Ablauf kennen und erfahren, wie sie zuhause anschließen können. Sinnvolle Inhalte für den Elternabend:

  • Warum führt die Schule das Projekt durch? 

  • Welche Themen werden behandelt, zum Beispiel Klassenchats, Social Media, Gaming oder exzessive Mediennutzung? 

  • Welche Regeln oder Vereinbarungen entstehen in der Klasse? 

  • Wie können Eltern Gespräche über Mediennutzung zuhause aufgreifen? 

  • Wo finden Familien weitere Informationen oder Beratung? 

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Tipp: Geben Sie Eltern eine kurze Zusammenfassung oder einen Link zu passenden Informationsangeboten mit. So wird der Projekttag nicht als Einzelaktion wahrgenommen, sondern als gemeinsamer Schritt von Schule und Elternhaus.

Fazit: Mit guter Planung wird Medienkompetenz gestärkt

Das neue Schuljahr ist der ideale Zeitpunkt, um Ihr Medienkompetenz-Projekt zu starten. Beginnen Sie jetzt mit der Planung, denn gut durchdachte Schulprojekte rund um Medienkompetenz ermöglichen Schülerinnen und Schülern, digitale Lebenswelten kritisch, kreativ und verantwortungsvoll zu gestalten.

Entscheidend sind klare Lernziele, lebensnahe Themen und aktivierende Methoden. Lehrkräfte müssen dabei nicht alle technischen Entwicklungen vollständig beherrschen – wichtiger ist die Bereitschaft, Reflexion anzuregen und gemeinsam Fragen zu diskutieren. So wird Medienbildung nicht zur Zusatzaufgabe, sondern zu einem zentralen Bestandteil zeitgemäßer Bildung, der sich kontinuierlich ausbauen lässt. 

Viel Freude beim Planen, Organisieren und Umsetzen!