Cybermobbing ist bedauerlicherweise häufig Teil des schulischen Alltags – oft ist jedoch schwer von außen erkennbar, welche Schülerinnen oder Schüler davon betroffen sind. Als Lehrkraft beobachten Sie möglicherweise Veränderungen bei einzelnen Schülerinnen und Schülern: Rückzug, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder plötzliche Leistungsabfälle. Auch ein auffällig häufiges Kontrollieren des Smartphones kann ein Hinweis sein.
Solche Verhaltensänderungen können verschiedene Ursachen haben und Cybermobbing ist eine davon. Digitale Konflikte verlaufen häufig im Verborgenen und können durch die permanente Verfügbarkeit sozialer Netzwerke besonders belastend wirken.
Warum Cybermobbing im Unterricht behandeln?
Während Konflikte früher meist im direkten sozialen Umfeld sichtbar waren, verlagern sich Auseinandersetzungen heute zunehmend in digitale Räume wie Instagram, TikTok oder WhatsApp. Dort verbreiten sich verletzende Inhalte schnell und erreichen ein großes Publikum.
Für die pädagogische Praxis bedeutet das:
Prävention muss frühzeitig und kontinuierlich stattfinden
Schülerinnen und Schüler benötigen Orientierung und Handlungssicherheit
Digitale Kompetenzen sind eng mit sozialem Lernen verknüpft
Cybermobbing kann außerdem in Verbindung mit anderen medienpädagogischen Themen wie exzessiver Mediennutzung, Gruppendynamiken in Chats oder sozialem Druck durch permanente Erreichbarkeit stehen.
Cybermobbing erkennen und verstehen: Einstieg in den Unterricht
Viele Schülerinnen und Schüler kennen den Begriff Cybermobbing, können aber subtilere Formen nicht immer sicher einordnen. Dazu gehören:
Ausgrenzung in Gruppenchats,
Verbreiten von Gerüchten,
gezieltes Ignorieren oder
Bloßstellungen.
Für einen Einstieg in das Thema bietet es sich daher an, zunächst mit konkreten Fallbeispielen unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und anschließend die emotionalen Auswirkungen zu besprechen. Dies kann mittels Fallanalysen, Rollenspielen sowie Diskussionsrunden anhand realitätsnaher Szenarien die Schülerinnen und Schüler für das Thema Cybermobbing motivieren.
Unterrichtsmaterialien und Methoden zu Cybermobbing
Im Folgenden finden Sie erprobte Materialien und digitale Angebote für verschiedene Klassenstufen:
klicksafe: Prävention und Intervention von Cybermobbing
Alter: 10–16 Jahre
Umfassendes Praxishandbuch mit Fallbeispielen, Projektideen sowie digitalen Materialien (Videos, Grafiken). Auch ein interaktives Spiel („Stoppt Mobbing“) ist enthalten.
Internet‑ABC: Lernmodul „Cybermobbing – kein Spaß!“
Klassenstufe 3–6
Modular einsetzbar, inklusive Arbeitsblätter und interaktiver Übungen zu Grundlagen, typischen Situationen und Handlungsoptionen bei Cybermobbing (ca. 2 Unterrichtsstunden pro Modul)
SOS Kinderdorf: Unterrichtseinheit Cybermobbing
Sekundarstufe 1 und 2
Strukturierte Materialien für Doppelstunden oder Unterrichtsreihen zum Thema Cybermobbing mit Arbeitsblättern und Unterrichtsvorschlägen zu Hintergründen und gemeinsam Regeln für ein respektvolles Verhalten in der digitalen Welt.
Planet Schule: Film und Unterrichtsmaterial zu Cybermobbing
ab Klasse 7
30-minütiger Film als emotionaler Einstieg mit anschließender Diskussion und Reflexion zum Thema Online-Mobbing. Die Bearbeitung der dazugehörigen Arbeitsmaterialien kann auf mehrere Unterrichtsstunden verteilt werden.
Cornelsen: Materialien und Arbeitsblätter zu Cybermobbing
Klasse 5–10
Praxisorientierte Materialien mit Fallbeispielen und Übungen, die Lehrkräfte im Unterricht einsetzen können, um Cybermobbing praxisnah zu thematisieren.
Interaktive und spielerische Ansätze
Bitte‑was.de: Online Escape Room „Es war einmal im Netz …“
Ab Sekundarstufe 1
Ein interaktives Lernspiel schafft spielerisches Gruppenerleben zu den Themen Cybermobbing, Datenschutz und Fake News für 1-2 Unterrichtseinheiten.
cyberhelp.eduskills.plus: Plattform „Cybermobbing – schau hin!“
Klasse 3–8
Unterrichtseinheiten (bis zu 6 Stunden) mit Videos und Erfahrungsberichten für die schulische Präventionsarbeit bei Cybermobbing.
JUUUPORT: Infomaterialien und Online-Seminare
Klasse 5–8
Es werden digitale kostenlose Workshops für Schülerinnen und Schüler zu den Themen Cybermobbing, sexuelle Belästigung im Internet, Stress bei WhatsApp, Fake News und Mediensucht sowie ein Workshop in Deutscher Gebärdensprache angeboten. Außerdem werden zahlreiche Infomaterialien zur Verfügung gestellt.
Chatscouts: Videos, Materialien und Begleitdokumente
Klasse 3–4
Chatscouts bietet sechs Video-Episoden mit dazugehörigen Stundenverlaufsplänen, Arbeitsblätter, Übungen und ein umfangreiches Begleitheft zu (Cyber‑)Mobbing.
WAKE UP!: Edustories und Webserie
Für Jugendliche
Multimediale Lernmodule zur Förderung digitaler Handlungskompetenz zu Online-Mobbing und Digitaler Gewalt. Die Module lassen sich ergänzend zum Unterricht einsetzen, z. B. in Einführungs- oder Erarbeitungsphasen.
Campus Digitale Helden: Gemeinsam gegen Cybermobbing
Klasse 8–9
Unterrichtsmaterial für 4 Unterrichtseinheiten zum Thema Mobbing im Internet.
Projekte und Präventionsprogramme für Schulen
Größere Projekte ermöglichen eine nachhaltige Verankerung im Schulalltag:
„Gemeinsam Klasse sein“: Präventionsprojekt der Techniker Krankenkasse
Klasse 5–7
Umfangreiches Präventionsprogramm mit Leitfäden, Filmen, Arbeitsblättern und Übungen, um Mobbing und Cyberbullying zu thematisieren. Die Materialien eignen sich für 4 Projekttage und einen Elternnachmittag und fördern Reflexion, Gruppenarbeit und Prävention im Schulalltag.
„Nein zur digit@len Gewalt“: Interaktive Workshops
Klasse 5–7
Interaktive Einheiten als Präventionsworkshop zu Cybermobbing, Hate Speech und Fake News für sechs Schulstunden.
Bündnis gegen Cybermobbing: Präventionsprogramm „Wir alle gegen Cybermobbing“
Klasse 3–10
Ganzheitliches Programm (bis zu 16 Unterrichtseinheiten) inklusive Zertifizierung für Schulen.
Eigene Unterrichtseinheiten gestalten: Didaktische Impulse
Neben fertigen Materialien kann es sinnvoll sein, eigene Unterrichtsideen zu entwickeln, die an die Lebenswelt der Lernenden anschließen. Dies könnten Sie beispielsweise mit den folgenden Ideen umsetzen:
- Analyse von (fiktiven) Chatverläufen oder Social-Media-Posts
- Entwicklung eigener Fallbeispiele
- Rollenspiele zu Konfliktsituationen
- Erarbeitung von Klassenregeln für digitale Kommunikation
Ziel ist es, dass Schülerinnen und Schüler:
- Cybermobbing erkennen,
- Perspektiven wechseln,
- konkrete Handlungsstrategien entwickeln.
Fortbildung für Lehrkräfte:
LOVE‑Storm-Workshop „Hate Speech und Cybermobbing“
In diesem Tages-Workshop lernen Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte Strategien zur digitalen Zivilcourage, Online-Rollenspiele und Gegenmaßnahmen gegen Hass im Netz. Die Fortbildung unterstützt die praktische Umsetzung im schulischen Kontext.
Reflexionsfragen für den Unterricht
Was ist Cybermobbing und wo beginnt es?
Welche Formen treten im Alltag auf?
Welche Gefühle erleben Betroffene?
Welche Verantwortung tragen Beobachtende?
Was treibt „Mobbende“ an?
Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?
Wann sollte Hilfe hinzugezogen werden?
Welche Regeln braucht ein respektvolles digitales Miteinander?
Digitale Tools und Unterstützungsangebote: Selbstschutz stärken
Weisen Sie Schülerinnen und Schüler gezielt darauf hin, dass sie ihre Sicherheit im Netz aktiv beeinflussen können. Dazu gehören insbesondere:
das Anpassen von Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken,
das Blockieren und Melden von beleidigenden oder übergriffigen Accounts,
ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten und geteilten Inhalten.
Zu diesen Themen finden Schülerinnen und Schüler im Jugendbereich von „Ins Netz gehen“ zahlreiche Informationen und Tipps.
Ebenso wichtig ist es, dass Lernende wissen, wo sie im Ernstfall Unterstützung finden. Machen Sie daher externe Hilfsangebote transparent und niedrigschwellig zugänglich, beispielsweise:
- krisenchat (anonyme Beratung per WhatsApp oder SMS, rund um die Uhr)
- Nummer gegen Kummer (116 111): kostenfreie und vertrauliche Beratung für Kinder und Jugendliche
Besprechen Sie außerdem im Unterricht konkret:
- In welchen Situationen es sinnvoll ist, Hilfe zu holen
- Wie eine Kontaktaufnahme abläuft
- Welche Hemmschwellen bestehen können – und wie diese überwunden werden
Elternarbeit als wichtiger Baustein
Eine nachhaltige Prävention gelingt besonders dann, wenn Schule und Elternhaus zusammenarbeiten.
Sinnvolle Maßnahmen:
- Elternabende zum Thema Cybermobbing
- Informationsmaterialien zu Plattformen und Privatsphäre-Einstellungen
- Austausch über Mediennutzung und Online-Verhalten
Es bietet sich an, für Eltern auch ein übergreifendes Angebot rund um das Thema Mediennutzung zu gestalten und neben Cybermobbing Fragen zur ausgewogenen Bildschirmzeit und elterlichen Begleitung zu behandeln.
Fazit: Cybermobbing als Teil ganzheitlicher Medienbildung
Cybermobbing ist kein isoliertes Thema, sondern eng verknüpft mit:
- Medienkompetenz
- sozialem Lernen
- digitaler Kommunikation
- Mediennutzungsverhalten
Für Lehrkräfte bietet sich die Chance, diese Themen fächerübergreifend und praxisnah zu behandeln. Die vorgestellten Materialien und Projekte können dabei unterstützen, ebenso wichtig sind jedoch eigene Impulse, die an die konkrete Klassensituation anknüpfen.
Ein sensibler, kontinuierlicher Umgang mit digitalen Konflikten sowie die dazugehörige Elternarbeit stärken nicht nur einzelne Schülerinnen und Schüler, sondern fördert langfristig ein respektvolles Miteinander – online wie offline.