Cybermobbing, Cybergrooming, Challenges: Das Internet birgt Risiken für Kinder und Jugendliche. Mithilfe dieser 5 Tipps begleiten Sie Ihr Kind sicher durch die digitale Welt – mit Vertrauen statt Kontrolle.
Eltern tragen Verantwortung: Das Wichtigste in Kürze
Zu den größten Gefahren im Internet für Kinder und Jugendliche zählen Cybermobbing, Cybergrooming, Challenges, verstörende Inhalte, Datenmissbrauch, Kostenfallen und App-Funktionen, die zur übermäßigen Nutzung verleiten.
Kontrolle allein schützt nicht. Eine vertrauensvolle Beziehung ist die beste Grundlage dafür, dass sich Jugendliche bei Problemen an ihre Eltern wenden.
Eltern schützen ihr Kind am besten, indem sie sich regelmäßig informieren, bei der eigenen Mediennutzung Vorbild sind, keine Fotos ihrer Kinder posten, Datenschutz-Einstellungen prüfen und bei Bedarf Beratung nutzen.
Kostenlose Unterstützung bieten z. B. die E-Mail-Beratung von Ins Netz gehen und Beratungsstellen vor Ort.
Gefahren im Internet: Mediennutzung begleiten statt kontrollieren
Social Media, Streaming-Dienste, Online-Games und Co. bieten Jugendlichen jede Menge Spaß, Unterhaltung und Austausch. Doch nicht immer bleibt das digitale Erlebnis unbeschwert: Zwischen Spaß und Frust liegt manchmal nur ein schmaler Grat. Denn: Die digitale Welt bringt auch Risiken mit sich, über die Eltern Bescheid wissen sollten.
Wenn Sie wissen, welchen Herausforderungen Ihr Kind online begegnen kann, können Sie besser darauf reagieren und es unterstützen, wenn tatsächlich einmal ein Problem auftritt.
Das bedeutet nicht, dass Eltern ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien verbieten sollten. Im Gegenteil: Eine zeitgemäße Medienkompetenz beinhaltet auch, Medien eigenständig zu erkunden, mögliche Gefahren zu erkennen und sich bei Bedarf Hilfe zu suchen. Altersgerechter Freiraum hilft Jugendlichen, Selbstregulation zu entwickeln und zunehmend Verantwortung für ihr Medienverhalten zu übernehmen.
Eltern können und müssen auch nicht immer wissen, was ihr Kind online erlebt. Vielmehr lohnt sich die Stärkung einer stabilen Eltern-Kind-Beziehung. So wird sich Ihr Teenager bei Problemen, Fragen oder Unsicherheiten von allein an Sie wenden.
Wie schütze ich mein Kind vor Gefahren im Internet? 5 Tipps
Die Medienkompetenz der eigenen Kinder zu fördern, ist das Eine – die eigene zu stärken das Andere. Wer Gefahren im Netz kennt und das eigene Verhalten reflektiert, kann Jugendliche besser begleiten und dabei unterstützen, sich sicher und verantwortungsvoll in der digitalen Welt zu bewegen. Die folgenden 5 Tipps orientieren sich an den Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“.
Die Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat 2026 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt, um Heranwachsende im Umgang mit Risiken, Herausforderungen und Chancen von digitalen Medien verantwortungsbewusst zu begleiten. Das Ziel: Schutz, Befähigung, Teilhabe.
Dabei gilt: Eltern tragen Verantwortung, aber nicht alleine. Auch die Anbieter von Plattformen, Schulen, Beratungsstellen und Politik sind beim Jugendschutz online gefragt. Trotzdem können Eltern im Alltag einiges tun.
Tipp 1: Regelmäßig über Gefahren im Netz informiert bleiben
Apps, Trends und Plattformen verändern sich schnell. Für Eltern kann es schwer sein, alles im Blick zu behalten. Es geht aber gar nicht darum, die neueste TikTok-Challenge namentlich zu kennen, sondern darum, überhaupt zu wissen, dass TikTok-Challenges gefährlich sein können. Diese Risiken sollten Eltern im Blick haben:
Cybermobbing und Hate Speech
Fake News, Darstellung von Gewalt oder Pornografie und Verharmlosung von Essstörungen
Cybergrooming und Erpressung mit Nacktaufnahmen
Hacking, Phishing und Diebstahl sensibler Daten
Kostenfallen in Online-Games und Apps
gefährliche Internet- bzw. TikTok-Challenges
suchtfördernde Mechanismen wie personalisierte Algorithmen und Autoplay von Videos
Nutzen Sie regelmäßig seriöse Informationsangebote, um Ihr Wissen über digitale Medien aufzufrischen. Als erste Anlaufstellen empfehlen wir:
die Informationsangebote von Schau Hin! oder klicksafe (bei klicksafe auch auf Englisch und Türkisch verfügbar)
Artikel, Ratgeber (auch in einfacher Sprache erhältlich) und Downloadmaterial von Ins-Netz-gehen
kostenlose Webinare bei klicksafe, in denen über wichtige Online-Themen aufgeklärt wird
Medienkurse für Eltern von Schau Hin!
Online-Communities zum Vernetzen und Austauschen
Auch offene Gespräche mit Ihrem Teenager eignen sich dafür, zum Beispiel in Form eines wöchentlichen Social-Media-Check-ins.
Testen Sie hier Ihr Wissen!
Tipp 2: Vorbild sein: die eigene Medienzeit reduzieren
Kinder und Jugendliche orientieren sich auch daran, wie Erwachsene mit Smartphone und Internet umgehen. Wer selbst ständig aufs Display schaut, vermittelt Medienregeln weniger glaubwürdig. Eltern sind Vorbilder für ihre Kinder. Zu den wichtigsten Mediennutzung-Tipps für Eltern gehören deshalb:
gemeinsame handyfreie Zeiten einhalten
Push-Benachrichtigungen ausschalten
bewusste Offline-Phasen einplanen
die eigene Bildschirmzeit im Blick behalten und überlegen, wo sich Zeit sparen lässt
Treffen Sie gemeinsam mit der ganzen Familie eine verbindliche Medienvereinbarung. Die Regeln gelten für alle. Nutzen Sie dafür gerne unsere Vorlage. Auch unser Medientagebuch kann Eltern genauso wie Jugendliche dabei unterstützen, den eigenen Medienkonsum zu reflektieren.
Tipp 3: Sharenting: Kinderfotos nur zurückhaltend posten
Urlaubsbilder, Geburtstagsfotos oder lustige Alltagssituationen: Viele Eltern teilen gerne Bilder ihrer Kinder online. Beim sogenannten Sharenting können Fotos jedoch dauerhaft im Internet bleiben und von anderen weiterverbreitet werden.
Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Privatsphäre. Deshalb sollten Eltern sorgfältig abwägen, welche Bilder sie veröffentlichen – und ältere Kinder und Jugendliche vorher fragen. Beim Posten müssen Eltern sich darüber bewusst sein, dass die Bilder ihrer Kinder online zweckentfremdet werden können – zum Beispiel von Pädokriminellen oder in Form von Cybermobbing.
Empfehlung: Kinder nicht online zeigen oder zumindest Aufnahmen verwenden, auf denen das Gesicht nicht zu sehen ist. Bitten Sie auch Verwandte und Bekannte, Bilder Ihres Kindes nicht ungefragt zu veröffentlichen oder weiterzuleiten.
Tipp 4: Datenschutz- und Jugendschutz-Einstellungen regelmäßig prüfen
Auch technische Schutzmaßnahmen helfen dabei, Kinder online zu schützen. Prüfen Sie gemeinsam die Datenschutz-Einstellungen wichtiger Apps und Geräte in der Familie. Dazu gehört zum Beispiel:
Profile auf privat stellen
Standortfreigaben einschränken
App-Berechtigungen kontrollieren
Alterskontrollen bei Streaming-Anbietern einrichten
Jugendschutzfilter nutzen
Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren
sichere Passwörter verwenden und regelmäßig aktualisieren
Software-Updates durchführen
Tipp: Nehmen Sie sich als Familie einmal gemeinsam Zeit und machen einen kurzen Sicherheitscheck auf Smartphone und Social-Media-Konten. Dabei lernt Ihr Teenager, wie wichtig Datenschutz ist, worauf es zu achten gilt und dass Sie verantwortungsbewusst mit den Daten Ihrer Familie umgehen.
Tipp 5: Beratung nutzen, wenn Sie unsicher sind
Nicht jedes Problem müssen Eltern allein lösen. Bei Cybermobbing, belastenden Inhalten, problematischer Mediennutzung oder anderen Schwierigkeiten können professionelle Beratungsstellen helfen. Auch wenn noch kein akuter Konflikt besteht, kann eine Beratung Orientierung geben.
Nutzen Sie bei Fragen oder Herausforderungen unsere kostenlose E-Mail-Beratung oder das Beratungstelefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit.
Fazit: Verantwortung heißt nicht Kontrolle
Eltern können und müssen nicht jeden Klick ihres Kindes verfolgen. Gerade Jugendliche brauchen Freiräume, um eigenständig mit digitalen Medien umzugehen und ihre Medienkompetenz selbstbestimmt aufzubauen. Eltern sollten dabei jederzeit ansprechbar bleiben, Risiken kennen und einen bewussten Umgang mit Medien vorleben.
So bedeutet Verantwortung von Eltern vor allem: Orientierung geben, Vertrauen schaffen und die eigene Medienkompetenz immer wieder weiterentwickeln. Noch mehr Hinweise finden Sie in unserem Elternratgeber.