Ein Drittel der Jugendlichen berichtet von digitaler Ablenkung im Unterricht, die Hälfte lernt mit KI. Was die neue PISA-Studie zeigt – und wie Sie im Unterricht konkret darauf reagieren können.
Das Wichtigste in Kürze
Die PISA-Studie 2025 hat erstmals im Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ untersucht, wie Jugendliche mithilfe digitaler Werkzeuge Probleme lösen. Jugendliche aus Deutschland liegen dabei etwa im OECD-Durchschnitt.
Eine moderate Nutzung digitaler Medien zum Lernen geht häufig mit besseren Leistungen einher. Freizeitnutzung während der Schulzeit hängt eher mit schwächeren Leistungen zusammen.
33 Prozent der Jugendlichen in Deutschland berichten, dass Mitschülerinnen und Mitschüler in fast jeder Naturwissenschaftsstunde durch digitale Geräte abgelenkt sind. Im OECD-Durchschnitt sind es 28 Prozent.
Die Hälfte der 15-Jährigen nutzt mindestens wöchentlich KI-Chatbots zum Lernen. Besser schneiden vor allem Jugendliche ab, die im Unterricht gelernt haben, KI-Antworten kritisch zu prüfen.
Für den Unterricht heißt das: klare Regeln für konzentrierte Lernphasen, Übungen zum Prüfen von KI-Antworten und gezieltes Training der Selbstregulation.
Was zeigt die neue PISA-Studie zu Medienkompetenz?
Die PISA-Studie 2025 hat erstmals den Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ untersucht. Erste Ergebnisse liegen zum computergestützten Problemlösen vor, bei dem Jugendliche Aufgaben mithilfe digitaler Werkzeuge lösen. Ergebnisse zum selbstregulierten Lernen mit digitalen Medien folgen 2027.
Die PISA-Studie
Die internationale Schulleistungsstudie PISA der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht alle drei Jahre die Kompetenzen 15-jähriger Schülerinnen und Schülern in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Die Ergebnisse von PISA 2025 wurden im September 2026 veröffentlicht. Der Fokus dieser Ausgabe liegt auf den Naturwissenschaften. In Deutschland haben 6.659 Jugendliche aus 246 Schulen teilgenommen. Ihre Leistungen liegen nahe am OECD-Durchschnitt. Gleichzeitig erreichten die Jugendlichen die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Erhebungen hierzulande.
Schule und digitale Medien: Wie viel Nutzung ist sinnvoll?
Jugendliche in Deutschland verbringen in der Schule täglich durchschnittlich 1,7 Stunden mit digitalen Geräten für Lernaktivitäten und weitere 0,8 Stunden für Freizeitaktivitäten. Im OECD-Vergleich zeigt sich: Eine moderate Nutzung für Lernzwecke geht häufig mit besseren Leistungen einher. Werden Geräte in der Schule länger zum Zeitvertreib genutzt, schneiden Jugendliche tendenziell schlechter ab. Digitale Medien sind also nicht per se gut oder schlecht – entscheidend ist, wofür sie eingesetzt werden.
Digitale Ablenkung im Unterricht
33 Prozent der Jugendlichen in Deutschland berichten, dass ihre Mitschülerinnen und Mitschüler in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden – dem Fokusfach der aktuellen PISA-Studie – durch digitale Geräte abgelenkt sind. Im OECD-Durchschnitt sind es 28 Prozent. Jugendliche, die von solcher Ablenkung berichten, erzielen in Naturwissenschaften im Schnitt acht Punkte weniger, auch wenn der sozioökonomische Hintergrund berücksichtigt wird. Dabei spielt die Schule eine Rolle: Wie stark Ablenkung verbreitet ist, hängt auch davon ab, welche Regeln für Handys gelten.
Klare Regeln wirken: Laut OECD werden Schülerinnen und Schüler an Schulen mit klaren Regeln zur Handynutzung seltener abgelenkt. In Deutschland berichten Jugendliche an Schulen mit Handyverbot auf dem Schulgelände mit rund 22 Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit von digitaler Ablenkung. 2025 besuchten 64 Prozent der Jugendlichen eine solche Schule, im OECD-Durchschnitt waren es 49 Prozent.
Auch beim Lesen zeigt sich ein Trend: Der Anteil der „flüchtig Lesenden“, die Texte nur überfliegen und schnell, aber falsch antworten, hat sich im OECD-Raum zwischen 2018 und 2025 fast verdoppelt. Das häufige Überfliegen von Social-Media-Feeds und die schnelle Verarbeitung vieler Informationen könnten dazu beitragen – einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegt PISA jedoch nicht.
KI in der Schule: Lernhilfe oder Abkürzung?
Die Hälfte der 15-Jährigen in Deutschland nutzt mindestens einmal pro Woche KI-Chatbots als Lernhilfe. Am häufigsten fassen sie damit Texte zusammen (36 Prozent), entwerfen Texte für Hausaufgaben (36 Prozent) oder starten eine erste Recherche (31 Prozent). Nur neun Prozent nutzen KI für keine der abgefragten schulischen Aufgaben oder nahezu nie.
Mehr KI bedeutet aber nicht automatisch bessere Leistungen. International schneiden Jugendliche, die KI für bestimmte Aufgaben nicht nutzen, teils besser ab. Bessere Ergebnisse erzielen dagegen Jugendliche, die KI als Lernhilfe einsetzen und im Unterricht gelernt haben, KI-generierte Informationen kritisch zu prüfen. Problematisch wird KI dann, wenn sie das eigene Denken ersetzt.
Was bedeutet die PISA-Studie für Ihren Unterricht? 3 Ansätze
Aus den PISA-Ergebnissen und den Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ ergeben sich drei Ansätze für den Schulalltag. Die Kommission empfiehlt unter anderem, die private Gerätenutzung in Schulen weitgehend einzuschränken, KI-Kompetenz verbindlicher zu verankern und Peer-Angebote auszubauen.
1. Konzentrierte Lernphasen schützen
Nicht jede Aufgabe braucht ein digitales Gerät. Klare, gemeinsam vereinbarte Regeln gehen laut PISA mit weniger Ablenkung einher. Es muss nicht immer ein Verbot sein. So können Handy-Regeln aussehen:
Ampel an der Tafel: Rot heißt Geräte weg, Gelb heißt nur für die Aufgabe, Grün heißt freie Nutzung.
Handy-Box: Private Smartphones kommen zu Beginn der Stunde in eine Box.
Fokusmodus: Richten Sie einmal gemeinsam mit der Klasse den Fokus- oder „Nicht stören“-Modus ein.
Analog lesen: Lassen Sie längere Texte bewusst auf Papier lesen. Das trainiert konzentriertes Lesen.
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2. KI-Antworten prüfen lassen statt verbieten
Jugendliche, die im Unterricht lernen, KI-Ergebnisse zu hinterfragen, profitieren laut PISA eher von der Nutzung. KI ist somit nicht nur Tool, sondern vor allem Thema. Mit diesen Methoden können Sie die KI-Kompetenz Ihrer Schülerinnen und Schüler trainieren:
Leitfragen: „Woher könnte diese Information stammen?“ und „Was muss ich selbst überprüfen?“
Fehlersuche: Geben Sie eine KI-Antwort als Arbeitsmaterial aus. Die Klasse markiert Fehler und sucht Belege.
Vergleich: Legen Sie eine KI-Zusammenfassung neben das Schulbuch oder die Originalquelle. Was fehlt, was stimmt nicht?
Transparenz: Lassen Sie bei Hausaufgaben angeben, ob und wofür KI genutzt wurde.
Tipp: Weitere Ideen finden Sie in unseren Artikeln KI im Unterricht und Falschinformationen erkennen.
3. Selbstregulation trainieren – auch mit Peers
Regeln helfen, reichen langfristig aber nicht aus. Jugendliche sollen lernen, ihre Mediennutzung selbst zu steuern und kritisch zu reflektieren. Peer-to-Peer-Ansätze können dabei unterstützen. Drei Ideen für Ihren Unterricht:
Reflexionskarte nach Selbstlernphasen: Konnte ich Benachrichtigungen ignorieren? Habe ich gemerkt, wann ich vom Lernen ins Scrollen gerutscht bin? Konnte ich das Smartphone bewusst beiseitelegen?
Medientagebuch: Lassen Sie die Klasse eine Woche lang ihre Nutzung im Medientagebuch dokumentieren und werten Sie es gemeinsam aus.
Peer-Learning: Ältere Schülerinnen und Schüler begleiten jüngere als Medienscouts, zum Beispiel im Projekt Net-Piloten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).
Fazit: Medienkompetenz ist auch Lernkompetenz
PISA zeigt: Lernen in der digitalen Welt braucht mehr als digitale Ausstattung. Jugendliche benötigen Fähigkeiten, mit denen sie ihre Aufmerksamkeit steuern, Informationen kritisch bewerten und digitale Tools gezielt zum Lernen einsetzen können. Wenn das gelingt, können KI und Co. zum Bildungserfolg in der digitalen Welt beitragen.