Wochenende? Bundesliga! Dein Verein spielt, du kennst die Aufstellung und weißt, wer gerade verletzt ist. In der Fußball-Tipprunde mit den Freunden läuft es super – solange es nicht um echte Wetteinsätze geht …
Eine private Tipprunde ohne Geldeinsatz ist etwas anderes als eine Sportwette. Sportwetten gehören zum Glücksspiel, können zu Geldverlusten führen und abhängig machen. Für Minderjährige sind sie deshalb tabu.
Vorab: Tippen ist nicht gleich wetten! Bei einer Fußball-Tipprunde ohne Geldeinsatz geht es darum, Ergebnisse vorherzusagen und Punkte zu sammeln. Bei Sportwetten wird dagegen echtes Geld auf den Ausgang eines Sportereignisses gesetzt. Liegt man falsch, ist das eingesetzte Geld verloren. Sportwetten sind Glücksspiel – und für Minderjährige verboten.
„Ich kenn mich doch aus!“ – warum Sportwetten so tricky sind
Man kann Statistiken vergleichen, Aufstellungen checken und Verletzungen kennen. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, mehr Kontrolle über das Ergebnis und einen Tipp zu haben. Doch genau hier steckt ein Denkfehler. Niemand kann sicher wissen, was in den nächsten 90 Minuten passiert. Ein abgefälschter Schuss, eine rote Karte, ein Elfmeter in der Nachspielzeit – und der vermeintlich sichere Tipp ist weg.
„Check dein Spiel“ – eine Kampagne des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit – weist daher auf das besondere Suchtrisiko von Sportwetten hin. Hinzu kommt: Sportwetten begegnen Fußballfans ständig. Eine Untersuchung rund um die Fußball-EM 2024 kam zusammengerechnet auf etwa 15 Minuten Glücksspielwerbung pro untersuchter Spielübertragung. So kann schnell der Eindruck entstehen, Wetten gehöre zum Fußball dazu. Tut es aber nicht!
Wann wird Wetten zum Problem? Diese Warnzeichen sollte man ernst nehmen
Problematisches Wettverhalten kann sich zum Beispiel in Gedanken wie diesen zeigen:
„Das verlorene Geld muss ich wieder zurückholen.“
„Nur noch einmal.“
„So viel Geld ist das doch gar nicht.“
Besonders riskant ist der Versuch, verlorenes Geld durch weitere Wetten „zurückzugewinnen“. Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff: Chasing Losses – Verlusten hinterherjagen. Aus einem kleinen Verlust können so immer größere Beträge werden. Im schlimmsten Fall wird Geld ausgegeben, das man gar nicht besitzt. So entstehen Schulden.
Chasing Losses und andere Motivationen, mit Sportwetten Geld zu verdienen, können zur Glücksspielsucht führen. Warnzeichen für eine Glücksspielsucht sind zum Beispiel:
Immer öfter ans Wetten denken
Mehr Geld einsetzen als geplant
Verlorenes Geld unbedingt zurückgewinnen wollen
Geld fürs Spielen leihen
Anderen verheimlichen, wie häufig oder wie viel man wettet
Nervös werden, wenn man nicht spielen kann
Schule, Freundinnen und Freunde oder Hobbys werden unwichtiger
Hinweis: Diese Zeichen dienen der Orientierung, sie sind noch keine Diagnose. Falls du dich in diesen Mustern wiedererkennst, kannst du dich kostenlos von uns beraten lassen. Bei „Check dein Spiel“ findest du außerdem Selbsttests, mit denen du dein Spielverhalten checken kannst.
5 Tipps für Jugendliche: So schützt du dich vor der Wettfalle
Halte dich an die Altersgrenze von Wettanbietern. Versuche nicht, Alterskontrollen zu umgehen.
Spiel in privaten Tipprunden lieber um Punkte, Ruhm oder einen selbst gebastelten Pokal statt um Geld.
Lass dich nicht von Werbung oder vermeintlich „sicheren Tipps“ beeinflussen. Niemand kann den Ausgang eines Spiels zuverlässig vorhersagen.
Wenn du bereits Geld durch Wetten verloren oder dir Geld geliehen hast: Sprich mit einer Person, der du vertraust. Probleme werden meistens größer, wenn man versucht, sie zu verstecken.
Versuch nicht, verlorenes Geld es durch weitere Wetten zurückzugewinnen. Genau daraus kann eine gefährliche Spirale entstehen.
Ganz wichtig: Falls du merkst, dass dich das Tippen oder Wetten nicht mehr loslässt: Hol dir professionelle Unterstützung. Je früher, desto besser. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss.
Check dein Spiel: Für dich und deine Gesundheit
Auf der Seite von „Check dein Spiel“ findest du viele weitere Infos über Sportwetten und Glücksspielsucht-Hilfe. Außerdem gibt es einen kostenlosen Selbsttest, mit dem du dein eigenes Spielverhalten einschätzen kannst, sowie kostenlose und anonyme Beratungsmöglichkeiten.
Denk dran: Sportwetten sind kein harmloses Tippspiel. Es sind Glücksspiele, können Geld kosten und abhängig machen. Wenn dich das Thema beschäftigt, gibt es Fachstellen, die dir helfen können. Für Hilfe bei Glücksspielsucht gibt es eine Vielzahl an Einrichtungen. Sieh dich zum Beispiel einmal in der Beratungsstellen-Datenbank auf unserer Website um. Auch bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. findest du die passende Hilfe in deiner Nähe.
Wenn du dir nicht sicher bist, welche Art von Hilfe du brauchst, kannst du dich kostenlos und anonym online oder am Telefon beraten lassen – zum Beispiel von den professionellen Beraterinnen und Beratern des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit.